Sozialstatistischer Überblick

Alle lokalen Körperschaften werden in Deutschland als Gemeinde bezeichnet. Dabei werden die erheblichen Differenzen der Einwohnerzahlen, Flächengröße, Siedlungsstrukturen und Aufgaben vernachlässigt, sodass der Begriff sowohl Millionenstädte, Großstädte, Mittelstädte, Kleinstädte und Landgemeinden umfasst.[1] Auch zwischen den einzelnen Bundesländern variieren die durchschnittlichen Einwohnerzahlen der Gemeinden erheblich, was aus der Verschiedenheit der Gesetzgebung in den 13 Flächenbundesländern resultiert.  So leben in den Gemeinden des Landes Rheinland-Pfalz im Durchschnitt weniger als 2.000 Menschen, während der nordrhein-westfälische Durchschnittsort mehr als 44.000 Einwohner zählt (vgl. Abb. 1)

Durch Maßnahmen der territorialen Neuordnung – die sich in den einzelnen Bundesländern mit unterschiedlicher Konsequenz und in unterschiedlichem Tempo vollziehen – sinkt die Zahl der Gemeinden kontinuierlich (vgl. Abb. 2). Im Zuge dieser Prozesse werden bisher selbständige Gemeinden zu Großgemeinden, Gemeindeverbünden, Verwaltungs-gemeinschaften, Verbandsgemeinden u. s. w. zusammengefasst. Ziel dieser Fusionen ist die Stärkung der Verwaltungskraft.[2]

Unter den rund 11.100 deutschen Gemeinden dominieren Landgemeinden mit weniger als 5.000 Einwohnern. Drei von vier Gemeinden fallen in diese Größenkategorie. Dazu zählen auch 393, der insgesamt 2061 Städte (Stand 31.12.2014).[3] Orte, in denen mehr als 5.000 jedoch weniger als 20.000 Menschen leben, gelten als Kleinstädte. Zu dieser Gruppe zählen mehr als die Hälfte aller deutschen Gemeinden mit Stadtrecht. 648 deutsche Gemeinden liegen mit der Zahl ihrer Einwohner über der Grenze von 20.000, wobei auch in dieser Gruppe die „kleineren“ Städte mit einer Bevölkerungszahl von unter 100.000 Personen dominieren. Nur 77 deutsche Städte überwinden die 100.000-Einwohner-Marke und nur vier dieser Kommunen sind Millionenstädte (vgl.  Abb. 3).

Da Gemeinden bis zu einer gewissen Größenordnung nicht über die Leistungsfähigkeit verfügen, alle Aufgaben der kommunalen Ebene im eigenen Verantwortungsbereich wahrzunehmen, sind sie in Gemeindeverbänden – den (Land-) Kreisen – organisiert. Der Kreis nimmt sich also jener Aufgaben an, welche die Verwaltungskraft der einzelnen Gemeinden übersteigen oder für die eine einheitliche Erledigung über Gemeindegrenzen hinweg erforderlich ist.

Derzeit ist das Territorium der Bundesrepublik in 295 Landkreise aufgeteilt. Ähnlich der Situation auf der Gemeindeebene weisen auch die sozialstatistischen Merkmale der Landkreise erhebliche Spreizungen auf (vgl. Abb. 4). So zählt der nach Einwohnern kleinste Kreis Lüchow-Dannenberg nur 48.720 Menschen (Stand 30.06.2015)[4], während im bevölkerungsstärksten Kreis, der Region Hannover, über 1,2 Millionen Einwohner leben.[5] Der flächenmäßig größte Landkreis Deutschlands ist der Landkreis Mecklenburgische Seenplatte mit einer Fläche von 5.468 km². Der Landkreis ist damit mehr als zweimal so groß wie das Bundesland Saarland.[6] Hingegen verwaltet der flächenmäßig kleinste Landkreis, der Main-Taunus-Kreis in Hessen, nur ein Territorium von 229,4 km².[7]

Neben kreisangehörigen Gemeinden und Landkreisen bilden die 107 kreisfreien Städte die dritte Gruppe kommunaler Körperschaften. Kreisfreie Städte zeichnen sich dadurch aus, dass sie gleichzeitig die Aufgaben der Gemeinde- und Landkreisebene erfüllen. In der Regel handelt es sich um Großstädte mit mehr als 100.000 Einwohnern. Am 31.12.2014 lebten 25.957.053 Menschen in kreisfreien Städten, was zu diesem Zeitpunkt fast einem Drittel der Bundesbürger*innen entsprach.

[1]     Vgl. Naßmacher, Hiltrud; Naßmacher, Karl-Heinz (2007): Kommunalpolitik in Deutschland. 2., völlig überarb. u. akt. Aufl., Berlin: Springer, S. 15.
[2]     Vgl. ebd., S. 20.
[3]     Vgl. Statistisches Bundesamt (2015): Städte in Deutschland nach Fläche und Bevölkerung auf Grundlage des ZENSUS 2011 und Bevölkerungsdichte am 31.12.2014. Veröffentlicht am 17.12.2015. https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/LaenderRegionen/Regionales/Gemeindeverzeichnis/Administrativ/Aktuell/05Staedte.html (letzter Abruf 10.08.2016).
[4]     Vgl. http://www.luechow-dannenberg.de/desktopdefault.aspx/tabid-5481/10229_read-21936/ (letzter Aufruf 25.10.2017).
[5]     Vgl. http://www.hannover.de/Leben-in-der-Region-Hannover/Verwaltungen-Kommunen/Die-Verwaltung-der-Region-Hannover/Stellt-sich-vor (letzter Aufruf 25.10.2017).
[6]     http://www.saarland.de/dokumente/thema_statistik/FB_311215_nZ.pdf (letzter Aufruf 25.10.2017).
[7]     https://www.mtk.org/Kreisportrait-16.htm (letzter Aufruf 25.10.2017).