Fachtagung „Wirkungsorientierung in Gemeinden“

Am 27. Juni 2018 fand unter dem Titel „Wirkungsorientierung in Gemeinden“ die Fachtagung des Projekts „KoWiSt“ (Kompetenzaufbau für eine wirkungsorientierte Steuerung) am Campus Villach der Fachhochschule Kärnten statt. KoWiSt ist ein internationales, mit Mitteln des ERASMUS+ Programms gefördertes Projekt der Hochschule Harz (DE), der Berner Fachhochschule (CH), der EURAC Research in Bozen (IT), der Pavol Jozef Šafárik Universität in Košice (SK) und der Fachhochschule Kärnten (AT). In Zusammenarbeit mit mehreren Pilotkommunen aus den fünf Ländern soll das Bewusstsein für wirkungsorientierte Steuerung in kleinen und mittleren Kommunen gestärkt und die verwaltungswissenschaftliche Aus- und Weiterbildung in diesem Bereich verbessert werden.

Im Zuge der Fachtagung wurde die im Projekt erarbeitete und kontinuierlich an die Bedürfnisse der Kommunalpolitik und Verwaltung angepasste Online-Lernplattform, welche es Gemeinden ermöglicht, laufende oder geplante Vorhaben webbasiert an den Zielen der wirkungsorientierten Steuerung auszurichten und zu überprüfen, einem Fachpublikum vorgestellt. Neben Beiträgen zur Wirkungsorientierung im Bund und im Land Kärnten standen dabei der Erfahrungsaustausch zwischen den beteiligten Gemeinden und die Diskussion von Möglichkeiten und Grenzen der wirkungsorientierten Steuerung in kleinen und mittleren Kommunalverwaltungen im Vordergrund. Anschließend hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Möglichkeit, die Online-Lernplattform im Rahmen von zwei Workshops selbst auszuprobieren.

„Wir arbeiten für Bürgerinnen und Bürger. Da die Problemlagen in allen Gemeinden ähnlich sind, ist es notwendig, sich auch europaweit mit dem Thema auseinanderzusetzen. Der Mehrwert dieser Tagung liegt im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sowie in dem Input, der die eigene Arbeit sehr bereichert“, so Dirk Tolkemitt, erster Beigeordneter und Stadtkämmerer der Alten Hansestadt Lemgo, Deutschland.

Gemeinden können vom Ansatz der Wirkungsorientierung in vielerlei Hinsicht profitieren. „Durch Wirkungsorientierung kommt man schneller und besser ans Ziel. Auch finanzschwache Gemeinden können das“, sagt Ferdinand Bevc, Amtsleiter der Marktgemeinde Eisenkappel-Vellach. Werden die vorhandenen Mittel stärker an Wirkungen orientiert, die für die kommunale Entwicklung wichtig sind, können die ohnehin schon knappen Ressourcen geschont und ein Mehrwert für die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinden erzielt werden. Die Wirkungsorientierung trägt aber auch intern dazu bei, die Motivation der eigenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu erhöhen, indem sie ihre Arbeit als Beitrag zur Erreichung übergeordneter Ziele erkennen. „Die Motivation der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ist aus meiner Sicht enorm gestiegen, weil sie merken, ‘das, was ich tue, das hat auch die richtige Wirkung‘ “, berichtet LAbg. Herbert Gaggl, Bürgermeister der Marktgemeinde Moosburg.

Hintergrund und Funktionsweise der Online-Plattform

Die erste und oberste Ebene der Zielsystematik stellen die sogenannten Programmziele dar. Diese können konkret nach SMART-Kriterien definiert und messbar oder aber allgemeiner formuliert sein.

In der zweiten Ebene werden die Wirkungsziele abgebildet. Im Gegensatz zu den Programmzielen sollen die Wirkungsziele messbar sein und auch mit den passenden Indikatoren erfasst werden. Anschließend können auf der 3. Ebene Maßnahmen zu den einzelnen Wirkungszielen formuliert werden. Für die Darstellung wurde dazu ein Fishbone- bzw. Maßnahmen-Wirkungs-Diagramm gewählt.

Im Anschluss wird für jede der erfassten Maßnahmen automatisch eine Wirkungskette erstellt. Diese setzt sich aus einer Abfolge von Inputs, Prozessen, Outputs und Wirkung zusammen, welche mit Kennzahlen unterlegt werden können. Somit lassen sich mit Hilfe der Online-Plattform Steuerungssystematiken in drei bis vier Ebenen einfach darstellen und an die Gegebenheiten der Gemeinden anpassen. Anhand der Kennzahlen kann der Grad der Zielerreichung gemessen werden und bei Nicht-Erreichen des Ziels rechtzeitig gegengesteuert werden. „Wir haben gute Erfahrungen gemacht, den Entscheidungsprozess im Sinne der Wirkungsorientierung umzudrehen, man muss es probieren und sollte keine Angst vor Fehlern haben“, so LAbg. Bgm. Herbert Gaggl.

Die Plattform steht unter www.kowist.eu/oer  zur freien Nutzung zur Verfügung.

Für nähere Informationen und Fragen zum Projekt steht Ihnen das Projektteam der FH Kärnten gerne zur Verfügung:

  • FH-Prof. MMag. Dr. Benedikt Speer, Programm- und Studiengangleiter Public Management, speer@fh-kaernten.at, + 43 (0)5/90500-2421
  • Nina Stollwitzer, BA MA, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Public Management, stollwitzer@fh-kaernten.at, +43 (0)5 /90500-2443

Zitate am Rand:

„Die Plattform ist für den Einsatz der Wirkungsorientierung sehr gut geeignet und sollte in der Praxis weiter eingesetzt werden.“ LAbg. Herbert Gaggl, Bürgermeister der Marktgemeinde Moosburg

„Es ist wichtig, sicherzustellen, dass jeder Mitarbeiter seinen Platz in der Wirkungskaskade kennt.“ Mag. Alexander Grünwald, MPA (Wirkungscontrollingstelle des Bundes, Bundesministerium für öffentlichen Dienst und Sport)

Attachments

%d bloggers like this: